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,Quo Vadis Organisationsberatung’

05. Oktober 2016 Oliver Strohm

Externe Expertise als flexible Führungsunterstützung oder als Versagenseingeständnis?
 

Im Hinblick auf den zukünftigen Bedarf, die zukünftigen Leistungsprozesse und die zukünftige Rolle von externer Organisationsberatung werden sehr unterschiedliche Szenarien prognostiziert. Die Bandbreite reicht dabei von einem zunehmenden Bedarf an externer Beratung bis hin zu einer deutlichen Abnahme der ‚Anziehungs­kraft’ von externen Beratungsleistungen in der betrieb­lichen Praxis.

Vor diesem Hintergrund wurden die Zukunfts­­perspektiven von Organi­sations­bera­tung durch das iafob in einer explorativen Studie eruiert. Dies erfolgte über 32 Inter­views mit betrieblichen FunktionsträgerInnen, die federführend über die Nutzung und Vergabe von externen Beratungsleistungen entscheiden.

Aus den Ergebnissen ergibt sich folgendes Bild:

Im Hinblick auf die vorliegenden Erfahrungen und den Mehrwert von externer Organisations­be­ratung bestehen in den Betrieben insgesamt mehr positive als negative Bilanzen. Bei den positiven Bilanzen stehen die folgenden Aussagen im Vordergrund:

  • Ergebnisoffenes, kompetentes Verhalten von Beratung ermöglicht nach­haltige Verän­derun­gen.
  • Zielgerichtete Entlastung durch externe Fach- und Personalressourcen.
  • Neutralität sowie Objektivierung/Enttabuisierung von Sachverhalten und Ge­ge­benheiten durch Beratung.
  • Neue Sichtweisen und Perspektiven durch Beratung.
  • Nutzbarmachung von Erfahrungen aus anderen Unternehmen/Projekten.

Bei den negativen Bilanzen zu externen Beratungsleistungen werden die folgenden Erfahrungen zum Ausdruck gebracht:

  • Ergebnis- und lösungsfixierte Haltung durch die Beratung.
  • Persönliche Inkompatibilitäten.
  • Fehlende Professionalität.
  • Unzureichende Ergebnisaufbereitungen.
  • Zu hohe Kosten.

Bei den grundsätzlichen Beweggründen für oder gegen externe Beratungsleistungen stehen vor allem Wissens- und Methodenerweiterung auf der Pro-Seite und die Kos­ten auf der Contra-Seite.

Annähernd 2/3 der InterviewpartnerInnen bringen zum Ausdruck, dass externe Bera­tungsleistungen auch zukünftig einen wichtigen Stellenwert oder gar einen noch größeren Stellenwert einnehmen werden. Dabei bringen die InterviewpartnerInnen u.a. die folgenden Perspektiven ,Pro-Beratung’ zum Ausdruck:

  • Zunehmende Komplexitäten und Widersprüche erfordern fundierte Entschei­dungen.
  • Eine zunehmende betriebliche Vielfalt macht entsprechende Begleit- und Ge­staltungsprozes­se erforderlich.
  • Erfolg braucht gute Lösungen und wenig Reibungsverluste bei der Lösungs­ent­wicklung und -umsetzung.
  • Unternehmen brauchen Impulse von Aussen.
  • Die betriebliche Flexibilität kann durch temporäre Beraterressourcen erhöht werden.
  • Die Gefahr von Verunsicherung kann durch fundierte Beratung reduziert werden.

Diesen präventiven Perspektiven stehen jedoch auch Aus­sagen gegenüber, wonach der Einsatz von Organisationsberatung in Zukunft eher als quasi letztes Mittel ,kurz vor der Kapitulation’ betrachtet wird.

Bei den zukünftigen Anforderungen an Organisationsberatende werden verschiedene Aspekte mit einer hohen bis sehr hohen Relevanz verknüpft werden. Dies gilt insbesondere für die fachlichen, methodischen und sozialen Fähigkeiten der Be­ratenden sowie auch für die Umset­zungsorientierung und das Kosten-Nutzen-Ver­hältnis der Beratung. Das Vertrauen in die Beratenden ist und bleibt ein zentrales Kriterium.

Bezüglich der relevanten Kanäle zur Selektion von Organisationsberatenden, die den skiz­zierten Anforderungen Rechnung tragen, steht das Prinzip ‚Empfehlung’ nach wie vor ein­deutig im Vordergrund – ‚persönliche Empfehlungen sind die Besten’. Das Internet wird dabei durchaus als relevante Informations- aber in keinem Fall als Selektionsquelle betrachtet.

Die Ergebnisse der explorativen Studie zeigen insgesamt, dass das Themenfeld ,externe Organisations­beratung’ in den Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven und Assozia­tionen verknüpft ist. Dabei spielen neben der Branche und den bislang mit Bera­tungs­leistungen gemachten Erfahrungen insbesondere auch das eigene Rollen- und Füh­rungsverständnis der Entscheider eine we­sentliche Rolle. Dieses Verständnis entscheidet letztlich häufig darüber, ob Beratung als Ressource und flexible Führungsunterstützung oder gar als ein ,Versagenseingeständnis’ be­trach­tet wird.

  

Der ausführliche Artikel zur Studie erscheint demnächst in:

Oliver Strohm, Ulrike Preissner & Jan Richner. ‚Quo Vadis Organisationsberatung‘. Perspektiven zur Zukunft der Beratungsbranche aus der Sicht von Auftraggebern. Wirtschaftspsychologie aktuell. Zeitschrift für Personal und Management.

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