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Wenn schon Arbeiten, dann im Flow!

15. März 2018 Annina Jemmi (Junior-Projektleiterin, MSc)

Wie finden Führungskräfte und Mitarbeitende Inspiration für kreative Ideen?

Wir bleiben wettbewerbsfähig durch gute Vorschläge und Innovationen von kreativen Mitarbeitenden. Demotiviert war gestern. Heute möchten wir inspiriert sein. Wie finden Mitarbeitende und Führungskräfte zu neuen Ideen?

In Organisationen kennen wir zwei unterschiedliche Arbeits-­‐ und Denkweisen: den geschlossenen und den offenen Modus 1.

Im geschlossenen Modus befinden wir uns in der Regel, wenn wir arbeiten: Wir haben viel zu tun und müssen endlich mit der Arbeit beginnen, um rechtzeitig fertig zu werden. Dabei sind wir angespannt, leicht nervös, etwas ängstlich, möglicherweise gestresst und eher wenig offen für Humor. Im geschlossenen Modus ist Kreativität nicht möglich.

Im offenen Modus sind wir hingegen gedankenvoll, in unsere Arbeit vertieft, entspannt, neugierig, spielerisch und eher offen für Humor. Im offenen Modus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kreativität entstehen kann.

Neurologen und Psychologen sind sich einig, dass der Mensch in angespanntem, nervösem oder ängstlichem Zustand weniger gut denken kann. Vor allem assoziatives Denken in Zusammenhängen funktioniert schlecht. Wenn wir nervös und ängstlich sind, steigt die Fehleranfälligkeit um bis zu 50% und wir verfallen eher dem Tunnelblick. Anstatt mehrerer vernetzt arbeitender Gehirnareale, ist bei Ängstlichkeit vor allem ein Gehirnareal aktiv, namentlich die Amygdala 2 3.

Etwas Neues zu erfinden, ein neues Konzept oder neue Prinzipien zu entwickeln, gilt als höchstes und nobles Ziel unseres Erfahrungs-­‐ und Erkenntnisgewinns, welches lediglich 2% der Menschen erreichen 4. Damit das Gehirn neue neuronale Vernetzungen baut, benötigt es Dopamin. Das produzieren wir, sobald wir begeistert, oder anders gesagt, im Flow-­‐Erleben sind. Neue Vernetzungen und eigene Zusammenhänge bilden sich, wenn wir inspiriert sind. Wie können wir die Wahrscheinlichkeit für Flow-­‐Erleben erhöhen? 5

  1. Raum
    Lassen Sie sich nicht unterbrechen. Hängen Sie ein Schild an die Türe, informieren Sie die Assistenten, dass Sie keine Anrufe entgegennehmen, stellen Sie Handy und Emails aus und blockieren Sie in der Agenda einen Termin für sich selbst.
  2. Zeit
    1.5 Stunden sind empfehlenswert, da es ca. 30 Minuten dauert, um in den Flow zu geraten. Wenn man daraus herausgezerrt wird, ist das frustrierend. Wo lässt sich ein Slot von 1.5 Stunden einmalpro Woche am besten unterbringen?
    Lassen Sie währenddessen die Gedanken immer wieder sanft um das Thema kreisen. Je länger wir uns mit einem Thema oder einer Problemstellung befassen, desto besser werden wir. Unser Gehirn braucht Zeit, um zu reifen.
  3. Vertrauen
    Solange wir mit Ideen spielen, gibt es kein Falsch. Eine Atmosphäre des Vertrauens, eine nicht-­wertende Haltung und die Wertschätzung für anfänglich noch unfertige Ideen sind essenziel. Wenn Sie die Übung gemeinsam mit KollegInnen machen: Nehmen Sie die Vorschläge der Anderen auf, um diese zu ergänzen und weiter zu entwickeln. Ersetzen Sie dabei „nein“ und „aber“ durch „ja und... “ und „wäre es sogar noch besser, wenn... “ und „was würde passieren, wenn... “. Eine wertende Person reicht bereits aus, um dem fragilen Prozess der Ideenentwicklung den Schwung zu rauben.
  4. Humor
    Nichts versetzt uns schneller in den entspannten und offenen Modus wie ein guter Witz. Bauen Sie Humor in Sitzungen ein; damit die Ideen ihrer Mitarbeitenden kreativer werden.

Wenn wir inspiriert sind, können wir Andere damit anstecken
Flow-­Erleben lässt sich nachweislich messbar von Lehrkräften auf ihre SchülerInnen sowie von diesen auf ihre MitschülerInnen übertragen. Dozierenden gelingt es immer wieder, ihre Leidenschaft auf Studierende zu übertragen 6 7. Diese Befunde stammen zwar aus dem Schulkontext, unterstreichen aber die generelle Übertragbarkeit von Flow zwischen Personen. Es lässt sich also vermuten, dass der Flow von Führungskräften unmittelbar auf Mitarbeitende oder zwischen Mitarbeitenden untereinander übertragen werden kann.

Nach einem Tag mit Flow-­‐Erleben bin ich am Feierabend ungewöhnlich erholt. Ich habe Energie und fühle mich angenehm belebt und bewegt. Das Private verläuft ebenfalls besser, da ich am Abend den Menschen noch wirklich begegnen mag. „Wenn schon arbeiten, dann zumindest im Flow“, sage ich mir und versuche seither so oft als möglich, aktiv Flow herzustellen.

Kurzzusammenfassung:

  1. Der entspannte und begeisterte Mensch kann besser denken und lernen.
  2. Ziel unseres Wissenserwerbs kann sein, neue Verknüpfungen bzw. etwas Eigenständiges zu schaffen.
  3. Dies gelingt uns im entspannten und offenen Modus am ehesten, wenn sich Kreativität und Flow-­Erleben einstellen können.
  4. Aus einem Tag mit Flow-­‐Erleben resultiert weniger Erschöpfung, weshalb auch die Erholung besser gelingt.
  5. Flow und Inspiration sind grundsätzlich zwischen Menschen übertragbar. Es bleibt zu untersuchen, unter welchen Bedingungen sich Flow-­Erleben in Teams und Organisationen am besten übertragen lässt.

Nun wünsche ich ebenfalls guten Flow bei den Selbstversuchen

Annina Jemmi

Inspirationen
1 Skynner, R. & Cleese, J. (1984). Families and how to survive them. Oxford University Press.
2 Hüther, G. (2016). Mit Freude lernen – ein Leben lang. Weshalb wir ein neues Verständnis vom Lernen brauchen. Sieben Thesen zu einem erweiterten Lernbegriff und eine Auswahl von Beiträgen zur Untermauerung. Vandenhoeck & Ruprecht.
3 Hüther, G. (2015). Etwas mehr Hirn bitte. Vandenhoeck & Ruprecht.
4 Bloom B.S., Anderson L.W. und D. R. Krathwohl (2001). A taxonomy for learning, teaching, and assessing: a revision of Bloom’s taxonomy of educational objectives. Longman.
5 Cleese, J. (1991). Creativity in Management. Referat im London Grosvenor House Hotel.
6 Bakker, A. B. (2005). Flow among music teachers and their students: The crossover of peak experiences. 1. Journal of Vocational Behavior, 66 (1), 26-­44. doi:10.1016/j.jvb.2003.11.001
7 Culbertson, S. S., Fullagar, C. J., Simmons, M. J. & Zhu, M. (2015). Contagious flow: Antecedents and
consequences of optimal experience in the classroom. Journal of Management Education, 39 (3), 319-­349.

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