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Woopen Sie sich zum Erfolg!

11. September 2018, Kilian Erbacher (Praktikant)

Wie WOOP dabei helfen kann, seine Mitarbeitenden mehr wertzuschätzen, besser mit Stress umzugehen, schneller auf Mails zu reagieren und noch vieles mehr.

Woopen Sie sich zum Erfolg!

Vielleicht kennen Sie das: Sie nehmen sich vor, mehr Sport zu treiben, gesünder zu Essen, sich besser von der Arbeit abzugrenzen oder möchten ein Projekt in Angriff nehmen. Aber trotz starker Intention und persönlicher Relevanz des Ziels will es Ihnen einfach nicht gelingen dieses zu Ihrer Zufriedenheit erreichen. Was aber, wenn es eine einfache wissenschaftlich erforschte Methode geben würde, die es uns ermöglicht, unsere Ziele noch besser und öfters zu erreichen? Um es vorwegzunehmen, so eine Methode existiert tatsächlich.

Gerade in Bezug auf die Arbeitswelt kommt Zielen eine enorme Bedeutung zu. Jede/r von uns hat grosse Ziele wie beispielsweise eine Beförderung, das Erlernen einer neuen Methodik oder das Erfüllen einer wichtigen Kennzahl. Hinzu kommen immer wieder kleinere Ziele: Wir nehmen uns beispielsweise vor schneller auf Mails zu antworten, am Feierabend noch Sport zu treiben oder einfach mal wieder Ordnung zu schaffen.

Was aber können wir tun oder wie sollten wir denken, damit es uns gelingt unsere Ziele immer öfter und besser zu erreichen? Ratschläge wie: „Denk positiv, halt dich nicht mit den Hindernissen auf.“ erfreuen sich einer bemerkenswerten Popularität. Eine gängige Annahme ist, dass positiv denkende Menschen erfolgreicher und produktiver sind. Es herrscht fast schon ein Kult um Optimismus. Nur leider ist es nicht ganz so einfach. Die angesehen Psychologie Professorin Gabriele Oettingen hat in mehr als zwanzigjähriger Forschungsarbeit untersucht, wie es Menschen gelingt Ziele zu erreichen. In ihren wissenschaftlichen Studien konnte sie beweisen, dass positives Denken, welches nicht in Verbindung zu früheren Erfahrungen steht, der Erreichung von Zielen eher hinderlich ist. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Studenten/Studentinnen, die sich vorgestellt haben in einer Prüfung hervorragend abzuschneiden, schlechter abgeschnitten haben als Kommilitonen/Kommilitoninnen, welche weniger optimistisch waren. In einer anderen Studie wurde herausgefunden, dass je positiver es sich Hochschulabsolventen/Hochschulabsolventinnen vorgestellt haben nach dem Studium schnell einen guten Job zu finden, umso länger waren sie arbeitslos und desto weniger haben sie verdient.

Das schwelgen in positiven Zukunftsfantasien hindert uns eher daran unsere Ziele und Wünsche zu verwirklichen, weil uns der angenehme Akt des Phantasierens die Erfüllung des Wunsches/Zieles vorgaukelt und uns gleichzeitig Energie raubt. Selbstverständlich bringt einem aber auch pausenloses grübeln über Hindernisse nicht weiter. Kombiniert man diese beiden Elemente aber auf die richtige Art und Weise und ergänzt sie noch mit Erkenntnissen aus der Motivationsforschung, lässt sich die Wahrscheinlichkeit, dass Ziele und Wünsche erreicht werden, erhöhen. Das Resultat Gabriele Oettingens jahrzehntelanger Forschungsarbeit ist ein verblüffend einfaches Rezept, abgekürzt WOOP, mit dem es uns gelingen kann unsere Ziele zu verwirklichen. Es sind die Anfangsbuchstaben der vier Schritte: Wish, Outcome, Obstacle und Plan. Es müssen lediglich zwei Voraussetzungen erfüllt sein, um diese Methodik anzuwenden:

Das Ziel muss wirklich wichtig und gleichzeitig erreichbar sein. Der mentale Prozess der bei WOOP durchlaufen wird ist simpel und kann jederzeit durchgeführt werden.

1. Wish (Was ist mein Wunsch?)

z.B. ich möchte nach Feierabend noch joggen gehen

2. Outcome (Wie sieht das bestmögliche Ergebnis aus?)

z.B. ich fühle mich nach dem joggen fit und dynamisch. Ich kann danach besser schlafen. 

3. Obstacle (Was ist mein grösstes Hindernis)

z.B. Wenn ich nach Hause komme, möchte ich mich meist direkt auf die Couch legen und eine Serie schauen.

4. Plan: (Wenn-Dann Plan)

z.B. Wenn ich nach Hause komme, dann erinnere ich mich, wie ich mich danach fühlen werde und ziehe direkt meine Sportschuhe an.

Diesen WOOP wiederholt man am besten jeden Tag z.B. auf dem Arbeitsweg oder in einer Pause. Dabei ist es wichtig, sich das Ergebnis und das Hindernis möglichst deutlich vorzustellen und einen für sich stimmigen Wenn-Dann Plan zu finden. Sollte es nicht klappen, dann lohnt es sich zu überdenken, ob einem das Ziel wirklich anzieht, man das wahre Hindernis erwischt hat und den Plan stimmig formuliert hat. WOOP kann auch dabei helfen, herauszufinden, was man wirklich will. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Ziel stellt man vielleicht fest, dass das Ziel doch nicht so wichtig ist wie angenommen oder dass die zu überwindenden Hindernisse schlichtweg zu gross sind oder es den Aufwand nicht wert ist.

Während eine WOOP Imagination laufen automatische Prozesse ab. Durch das Vorstellen des positiven Ergebnisses und der Hindernisse werden Zukunft und Realität verbunden. Durch den Plan wird hierzu ein konkretes Verhalten hinzugefügt. Denken Sie dann an ihr Ziel, kommt Ihnen automatisch auch die Realität sowie das Verhalten, welches sie anwenden möchten mit in den Sinn. Des Weiteren hilft diese Technik auch dabei zu erkennen, welche Ziele man tatsächlich verfolgen und welche man lieber lassen möchte. WOOP kann für jegliche Ziele angewendet werden, sofern die erwähnten Voraussetzungen erfüllt sind.

Meine persönliche Erfahrung mit WOOP hat mich unglaublich überrascht. Mittels WOOP ist es mir gelungen viel besser nach der Arbeit abschalten zu können und nach dem Feierabend öfter Sport zu treiben. Es ist wirklich erstaunlich was diese mentale Strategie bewirken kann. Wem das Ganze noch etwas zu vage ist, empfehle ich das Buch „Psychologie des Gelingens“. In diesem beschreibt Gabriele Oettingen allmögliche Studien und zeigt die Effekte auf, die WOOP auf das Leben eines Menschen haben kann. Übrigens: WOOP wird bereits in Reha Kliniken und von Krankenkassen eingesetzt, um Verhaltensweisen von Risikopatienten zu verändern. Da stellt sich die Frage, welches Potential WOOP innewohnt. Sollte es nicht auch als Möglichkeit für personenbezogene Interventionen im betrieblichen Gesundheitsmanagement in Betracht gezogen werden?

Die Anwendungsmöglichkeiten von WOOP sind grenzenlos, so könnte WOOP beispielsweise auch in Coachings angewendet werden. Egal welches Ziel Sie gerade verfolgen, lassen Sie sich auf das Experiment ein und woopen Sie sich zum Erfolg. Über Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen! In dem Sinne gutes woopen und viel Erfolg beim Verfolgen und Erreichen Ihrer Ziele.

 

Quelle:

Oettingen, G. (2015). Die Psychologie des Gelingens. München: Pattloch Verlag GmbH & Co. KG.

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